Aus Lichter Höhe



Liebe, die tötet


Von Geburt zu Tod, von Tod zu Auferstehung und

Wandlung kämpft das in Gott formlose Leben mit dem

formgebundenen und tötet es, damit es lebend werde.

Könntest du also sagen, Gott hasst das Leben, das Er

nimmt? Er nimmt es nur, es von Ketten jener Form zu

lösen, darinnen es gebunden liegt.

Wer dir nun sagt, es sei der Dämon Hass, der jeden

seiner schnellen Speere schleudert und seine vielen

Waffen schärft, die Fleischesform zu spalten - der lügt.

Denn wenn gerechte Sache dich zur Verteidigung braucht,

wenn Liebe, Wahrheit, Recht dich auf das Schlachtfeld

rufen, so ist es Liebe, nicht der Hass, die ihre Speere

schleudert und die Waffen schärft. Der Dämon Hass

dagegen ist der grimmigste der Feinde, die nur drauf warten, dich zu töten.

Zehnmal mehr Macht zu töten oder Leben zu

erwecken, hat Liebe als der Hass, trotz aller Herrlichkeit,

die sich der Hass vom Kleid der Liebe raubt.

Lass dich nicht täuschen. Nie brauchst du den Feind zu

hassen, wenn Gott dich dort zu seinem Ritter ausersieht,

wo man sein Leben einsetzt nur für das Gesetz von

Fortschritt und von Liebe.

Denkst du, dass Hass es ist, der dir die Silberschnur

zerschneidet, wenn Gott am Tage der Vollendung deines

Lebenswerks dich Heim ruft? Warum dann solltest du,

Sohn Gottes, Hass im Herzen tragen, wenn du das Blut von

jemandem vergießen musst, der deine Mitmenschen bedroht?

Jedoch, mein Kind, gerecht muss deine Sache sein.

Allein wenn deine Liebe zu Wahrheit und zu Recht weit

größer ist als deine Leidenschaft, darfst du die Hand

erheben, die den Nächsten tötet. Sonst wird dein Leben

selbst zum Pfand gesetzt für göttliches Gesetz.

Gerechte Sache, für die einer lebt und gerne stirbt,

Liebe zu Gott, zu Recht und Wahrheit, die aus Menschen

Diener des Rechts der Liebe macht, steht vor, steht

außerhalb und über einem kurzen Leben, das eine Seele

nur in selbstischer Macht- und Ehrbegierde einsetzt.

Sei nicht zugleich der Richter und der Henker! Stets

steht zu deiner Rechten Einer, der das Urteil spricht,

mögen auch sterbliche Lippen, die Gott mit Feuer anrührt,

das Urteil verkünden!

(ALH Bd.2)


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